Dr. med. Mehmet Atila

Medizintourismus birgt Risiken

Das Geschäft mit Reisen für medizinische Eingriffe ins Ausland boomt. Viele Patienten reisen von Deutschland nach Tschechien, Polen,  Südafrika  oder  in  die  Türkei,  um  sich  dort  Schönheitsoperationen  zu unterziehen  –  ihr  Motiv:  niedrige  Preise.  Während  eine  klassische Fettabsaugung in Deutschland je nach Umfang zwischen 1.500 € und 5.000 € kostet, beträgt der Preis für eine Liposuktion in anderen Ländern zum Teil nur die  Hälfte.  Dasselbe  gilt  für  ästhetische  Eingriffe  wie  Haartransplantationen, Brustvergrößerungen,  Bauchdeckenstraffungen  oder  Nasenkorrekturen.  Da Krankenkassen  kosmetische  Korrekturen  in  den  meisten  Fällen  nicht  zahlen, klingen die niedrigen Preise für viele Patienten sehr verlockend.



Dr. med. Mehmet Atila
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
& Direktor des Medical Inn Zentrums in Düsseldorf

Dumpingpreise und versteckte Kosten

Dr. med. Mehmet Atila, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Direktor  des  Medical  Inn  Zentrums  in  Düsseldorf,  bewertet  den  Trend  des Beautytourismus  kritisch,  da  dieser  lediglich  über  die  niedrigen  Preise funktioniere.  „Es  existieren  Medizintourismusveranstalter,  die  drei  Eingriffe  für den  Preis  von  zwei  Operationen  anbieten.  Diese  Art  des  Vorgehens  ist  in Deutschland unzulässig. Zudem stellt sich die Frage, wie die niedrigen Kosten trotz  zusätzlicher Reiseauslagen  zustande  kommen.  Oftmals leiden  unter den Schnäppchenpreisen die Qualität und Hygiene von eingesetztem Material und Personal  sowie  die  Nachsorge“,  erklärt  der  Mediziner  und  fügt  hinzu:  „Diese Veranstalter verschwinden  nach  kurzer Zeit  meist  vom  Bildschirm.  Ansprüche bei misslungenen Operationen können dann nicht gestellt werden oder finden keine  Berücksichtigung.  OP-Berichte  existieren  nicht  oder  stehen  nicht  zur Verfügung und selbst bei gutachterlich festgestellten Mängeln ist der Operateur nicht erreichbar.“ Er  warnt  ferner  vor  zusätzlichen  Ausgaben,  die  auf  Patienten  zukommen können: „Vermeintliche Schnäppchen stellen sich durch versteckte Kosten wie Austrittsgelder  der  Kliniken  oder  überteuerte  Hotelrechnungen  im  Nachhinein als kostspieliger als erwartet heraus.“ Zudem müssen sich manche im Ausland operierte Patienten nach aufgetretenen Komplikationen einer Nachbehandlung in  Deutschland  unterziehen  oder  vorzeitig  die  Reise  abbrechen,  was  in letzterem  Falle  zu  einem  kostspieligen  Rücktransport  nach  Deutschland  führt. Auch  Dr.  Atila  merkt  diese  Problematik  im  Medical  Inn,  wo  er  zunehmend, mittlerweile  regelmäßig,  Patienten  mit Komplikationen  und  schlecht  operierten Ergebnissen  aus  dem  Ausland  nachversorgt  oder  deren  Auswirkungen korrigiert.  Diese  ärztlichen  Maßnahmen  sind  mit  finanziellen  Einbußen verbunden, da Patienten die Ausgaben dafür selbst tragen müssen. So löst sich der scheinbar gewonnene finanzielle Nutzen schnell in Luft auf. 

Expertenwissen und Betreuung oft mangelhaft

Die Idee, die Beauty-OP mit dem Urlaub verbinden zu können, klingt zunächst verführerisch.  Dr.  Atila,  der  sich  in  seiner  Funktion  als  Präsident  eines internationalen  Fortbildungskongresses  für  Plastische  Chirurgie  auch  für  die Fortbildung  anderer  Mediziner  einsetzt,  kritisiert  jedoch:  „Ich  lege  bei  meinen Patienten  im  Medical  Inn  großen  Wert  auf  die  Vorabberatung  und  die medizinische  Aufklärung.  Diese  Möglichkeit  besteht  bei  von Medizintourismusreiseveranstaltern  organisierten  Pauschalreisen  kaum. Einerseits fliegt der Patient nur zum Eingriff selbst ins Ausland und andererseits besteht in vielen Fällen eine Sprachbarriere“, erläutert der Facharzt. Um dieses Problem  zu  umgehen,  bieten  viele  Veranstalter  und  Kliniken  mittlerweile  den Service  von  Dolmetschern  an.  Aber  die  Kommunikation  über  Dritte  stellt  ein Risiko  dar,  da  Übersetzungsfehler  oder  ungenaue  Übersetzungen  zu

Missverständnissen  und  gegebenenfalls  unerwünschten

Behandlungsergebnissen  führen  können.  So  können  Vorerkrankungen  des Patienten  vom  Übersetzer  fehlinterpretiert  oder  in  der  Kommunikation  nicht ausreichend  berücksichtigt  werden,  was  im  schlimmsten  Fall  zu  einer lebensbedrohlichen  Situation  führt.  Zudem  variieren  die  Narkosestandards  in einzelnen  Ländern  und  eine  Intensivversorgung  ist  meistens  nicht  gegeben. Hinzu  kommt  die  Nähe  zum  behandelnden  Arzt,  die  nach  einem  Eingriff  im Ausland meist nicht gegeben ist. Dr. Atila aber weiß, dass bei jedem Eingriff die Möglichkeit  unvorhersehbarer  Komplikationen  besteht.  „Im  Fall  von auftretenden  Komplikationen,  aber  auch,  um  eine  lückenlose  Nachsorge  zu garantieren,  müssen  Arzt  und  Patient  nach  der  OP  in  regelmäßigem  Kontakt zueinander stehen. Dieser Austausch ist bei Eingriffen im Ausland, nach denen die  Patienten  wieder  nach  Hause  reisen,  selten  gegeben.  Patienten  sollten deshalb  eine  Operation  nicht  aus  Kostengründen  im  Ausland  durchführen lassen“, so Dr. Atila abschließend.

Weitere Informationen unter
www.medical-inn.de

 

Foto: Medical Inn, Fotolia