Ethnomedizin

Die Medizin der Naturvölker

Ethnomedizin Orakel, Gifte, Heiler und Talismane – Menschen aus anderen Kulturkreisen gehen anders mit Schmerzen und Krankheiten um. Erfahren Sie mehr über eine Medizin, die Körper, Geist und Seele als Ganzes betrachtet.

Körper, Geist und Seele: In der Ethnomedizin bilden sie eine Einheit. Keine Krankheit wird isoliert betrachtet, sondern als Teil eines Ganzen. Anders als in der modernen Schulmedizin, die sich primär auf die Heilung des Körpers und der Symptome fokussiert, widmet sich die Ethnomedizin dem Körper, Geist und Seele als Ganzes.
Was ist Ethnomedizin? Ethnomedizin vereint medizinische, soziale und biologische Kompetenzen, eingebettet in Naturheilkunde unterschiedlichster Kulturen. Als Beispiel können verschiedene Gruppen genannt werden. Indien mit Yoga und Ayurveda, die traditionelle tibetische Medizin und Buddhismus aus Chi-na sowie Qigong und Taijiquan. Aber auch Methoden traditioneller Naturheilkunde Amerikas und Europas bilden einen Teil der Ethnomedizin, wenn auch nicht sehr verbreitet.

Pflanzenkraft und die Kraft des Universums als Lebensphilosophie

Vor allem in der Heilkunde der Indianer ist die Lebensphilosophie vom Glauben an das Göttliche geprägt. Medizinischer Fortschritt und die Entwicklung gehen eng mit dem Glauben an die göttliche Kraft einher und sind eng miteinanderverbunden. Der Übergang zwischen den religiös geprägten Heilungszeremonien und den medizinischen Heilungsmethoden aus der Schulmedizin ist oftmals fließend. Insbesondere der Glaube an die Kraft der Pflanzen als Heilmittel ist enorm: von rund 3.000 unterschiedlichen Pflanzenarten ist die Rede. Neben den medizinischen Zwecken wurde ein Teil dieser Heilpflanzen auch zur Gewinnung von Fasern, als natürliche Farbstoffe und als Nahrungsmittel verwendet.

Ethnomedizin ist kein Beruf, sondern Berufung

Anders als in der modernen Schulmedizin gibt es in der Ethnomedizin keine eindeutige Berufsbezeichnung. Je nach Spezialisierung werden den Ethnomedizinern Bezeichnungen wie Priester oder Heiler zugewiesen. Ob Wind, Sonne, Wolken, Tiere oder Pflanzen, sichtbar oder unsichtbar – sämtliche Dinge aus der Natur gelten als mögliche Quellen spiritueller Kraft, die sich die Ethnomedizin zu Nutze macht. Ähnlich wie bei einer Hypnose wird hier der Patient in eine Art Trance versetzt. Aber auch Heilmethoden, wie etwa das Desinfizieren von Wunden, das Ausrichten von Knochenbrüchen bis hin zu Operationen, wie man sie auch aus der Schulmedizin kennt, gehören zu den Kernkompetenzen der Ethnomedizin. Die Berufung zum Heiler oder Priester resultiert nicht selten aus einem persönlichen Erlebnis. Eine schwere totgeweihte Krankheit, aber auch eine Vision durch Fasten oder menschlicher Einsamkeit lösen die Berufung zum Schamanen oder Medizinmann aus. Aber auch lange Familientradition kann der Grund für die Ausführung des Berufes sein. Die Ausbildung zum Ethnomediziner nimmt ähnlich wie bei der Schulmedizin mehrere Jahre in Anspruch. Dennoch wird das Wissen um die Gebete, Gesänge und rituellen Handlungen streng behütet und ausschließlich mündlich überliefert, so-dass es nicht einfach in einer beliebigen Bibliothek nachgelesen werden kann. Da-mit ist auch nachvollziehbar, dass kein Medizinmann Einblicke in alle Bereiche und Facetten der Naturheilkunde haben kann. Folglich spezialisiert sich jeder Heiler auf wenige der insgesamt 300 kraftvollen Heilungsrituale.

Ethnomedizin – Auch heute ein wohlbehütetes Geheimnis

Bis heute bleibt das Wissen, oder viel mehr das Verständnis, um die Kraft und Wirkung der Pflanzen und der Rituale auf den Körper und die Seele als Einheit den modernen Wissenschaftlern verborgen. Bemerkenswert ist auch, dass Pflanzen auch zur Heilung von Infektionskrankheiten wie Husten, Fieber und Erkältungen, aber auch zur Stärkung des Immunsystems, bereits in der Naturheilkunde angewandt wurden. Und auch trotz des medizinischen Fortschritts und der zahlreichen Erkenntnisse in der Schulmedizin finden sich bis heute noch Gebiete in der modernen Heilungswissenschaft, die sich aus den Methoden der traditionellen Medizin ableiten. Auch bei der Wahl der richtigen Medikation und der Dosis greifen die modernen Mediziner nicht selten auf die Erfahrung der Ethnomedizin zurück, wie zum Beispiel bei Medikamenten auf pflanzlicher Basis im Bereich der Homöopathie.

Keine Heilung ohne das Gleichgewicht

In der traditionellen Heilmedizin stellt eine Krankheit kein gesondertes Geschehen im Organismus dar. Körper, Geist und Seele bilden ein Ganzes, und so werden sie auch behandelt. Demnach kann die vollständige Genesung nur dann eintreten, wenn zwischen Körper und Geist, Mensch und Umwelt sowie Mensch und Universum das Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann. Der Unterschied zwischen der modernen westlichen Medizin und der traditionellen indianischen Heilmedizin besteht lediglich darin, dass die Ethnomedizin der Prävention und der Gesunderhaltung des Körpers und der Seele einen hohen Stellenwert einräumt. Die Ethnomedizin erstreckt sich auch bis zum Bereich Nahrung und Nahrungsergänzung. Das heißt, die Nahrung ist fettarm aber reich an Ballaststoffen und Kohlenhydraten. Hinzu kommt tägliches Gesundheits-Training. So verwundert es nicht, dass die Lebenserwartung eines Indianers im Vergleich zu der eines Europäers damals um rund ein Jahrzehnt höher war. Auch die so-genannten Zivilisationskrankheiten, wie man sie heute zur Genüge kennt, waren dem Ureinwohner Amerikas unbekannt.

Heilpflanzen aus der Ethnomedizin

Heilmänner bereiteten aus den Blättern verschiedener Heilpflanzen Tees und Tinkturen, um zum Beispiel den Urinfluss zu fördern, die Nerven zu beruhigen und die Wundheilung zu beschleunigen. Einige von ihnen wurden auch in der Schwangerschaft zur Regulierung der Wehentätigkeit, bei Schwellungen, Verstauchungen, Rheuma und Gicht verwendet. So werden zum Beispiel Blätter der Beinwell und der Bärentraube bei Erkältungen, Entzündungen und auch gegen Blutungen, hervorgerufen durch Hämorrhoiden, eingesetzt. Auch in Europa ist Beinwell nicht unbekannt und wird bei Wunden und Brüchen erfolgreich eingesetzt. Als Nahrungsergänzung waren Blütenpollen sowie das Destillat aus Sonnenhut, wegen ihrer abwehrsteigernden Kraft, sehr beliebt. Äußerlich angewendet half Sonnenhut, aufgrund der lokalen betäubenden Wirkung, bei Sonnenbrand. Auch in Europa wird die Wurzel der Pflanze als Mittel gegen Erkältungen sehr geschätzt.

INFOMED: Institut für Ganzheitsmedizin
Das zunehmende Interesse an der Ethnomedizin stammt einerseits aus dem Interesse für die Heiltraditionen und Fertigkeiten anderer Kulturen. Andererseits zeigen sich zunehmend auch die Grenzen einer wissenschaftlich ausgerichteten Hochtechnologie-Medizin. Viele Menschen suchen daher entweder für sich selbst oder für die Integration in ihre Praxis neue Perspektiven.

Deshalb gibt es mit INFOMED, dem Institut für Ganzheitsmedizin in München, ein interdisziplinäres Arbeitsfeld, das die Medizin und angrenzenden Naturwissenschaften sowie Sozial- und Gesellschaftswissenschaften, wie die Ethnologie, Medizinsoziologie und Psychologie, verbindet. Repräsentanten der Gesundheitsberufe treffen sich einmal jährlich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit traditionellen Heilern und Schamanen aus allen Kontinenten, um neue Ansätze für die Gesundheit und Heilung zu diskutieren und zu entwickeln. „Es werden internationale wissenschaftliche Sammelbände und Publikationen für jedermann herausgegeben, um moderne und doch uralte Konzepte von Körper, Geist und Seele weltweit bekannt zu machen“, erklärt Christine Herrera Krebber, Geschäftsführerin INFOMED in München, die Grundidee und zunehmende Popularität der Ethnomedizin.

Mehr Infos:
Infomed - Institut für Ganzheitsmedizin
Melusinenstr.2
81671 München
Tel.: (0 89) 443 73 817
Fax: (0 89) 490 53 045
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