Interview: Dr. Michael Sagner

Lebensstilmedizin - Einfach besser leben

In Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten die Gesundheitsstatistik mit der starken Zunahme von chronischen Erkrankungen immens verschlechtert. Neben der Abnahme von gesunden Lebensjahren und der verlorengehenden Lebensqualität kommt es auch zu einem starken Anstieg der Kosten im Gesundheitssystem. Dabei konnte in zahlreichen Studien bewiesen werden, dass unterschiedliche Lebensstilfaktoren, wie zum Beispiel Ernährung, körperliche Bewegung oder psychosoziale Faktoren, an der Entstehung von chronischen Krankheiten beteiligt sind. Hingegen zeigen internationale Interventionsstudien, dass das Risiko beispielsweise an einer Diabetes-Erkrankung, einer koronaren Herz-Erkrankung oder Krebs zu erkranken, durch die Optimierung von Lebensstilfaktoren sinkt.

Der Mediziner Dr. Michael Sagner erklärt in einem Interview mit MEDIvitalis, welche Lebensstilfaktoren optimiert werden müssen, um einen gesunden Lebensstil zu erreichen.

Herr Dr. Sagner, wie kann ich den für mich optimalen Lebensstil finden?
Dr. Michael Sagner: Der optimale Lebensstil basiert auf einigen Basis-Elementen, die für alle Menschen gleich sind. Darauf aufbauend kann man dann persönliche und kulturelle Vorlieben einschließen oder verändern. Es gibt also viele Möglichkeiten, gesund zu leben und ein gesunder Lebensstil ist für jeden ein bisschen anders, in der Basis zählt jedoch für uns Menschen immer das Gleiche.

Was ist die Basis einer gesunden Lebensweise?
Der Lebensstil besteht, medizinisch gesehen, aus den Elementen Ernährung, körperliche Aktivität, soziales Umfeld und Psyche/Emotionen. Eine gesunde Lebensweise ist vor allem eine Art zu leben, die unserer Gesundheit nicht schadet. In Deutschland leben leider nur unter 10 % so, dass es Ihrer Gesundheit nicht schadet. Anders gesagt, die meisten Menschen schaden ihrer Gesundheit durch ihre Lebensweise. Dies zeigt sich auch in den Krankheitsstatistiken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass ca. 80 % aller Erkrankungen in Deutschland und anderen Industrienationen durch eine schlechte Lebensweise bedingt sind.

Wenn Sie das Verhältnis Gesundheit, Lebensstil und genetische Ausstattung in ein prozentuales Verhältnis setzen müssten, wie würde Ihre Aufteilung aussehen?
Gene sind vor allem eine Prädisposition, eine grobe Vorgabe z.B. für die Augenfarbe, die Hautfarbe und die Haarfarbe. Was wir mit diesen Vorgaben machen, also unser Lebensstil, das macht den Hauptteil unserer Gesundheit, unserer Lebenserwartung und unseres Wohlbefindens aus.

Wo sehen Sie die Diskrepanz zwischen genetischer Ausstattung und dem Lebensstil unserer Zeit?
Der menschliche Körper ist biologisch für ein völlig anderes Umfeld bestimmt. Viele Funktionen unseres Körpers sind nicht für die moderne Welt mit Überfluss, chronischem psychischen Stress und Bewegungsmangel ausgelegt. Durch unseren modernen Lebensstil entstehen kleine Störungen und Fehlfunktionen in unserem Körper, die dann zu Krankheiten werden.

Wie wichtig ist eine persönliche Motivation zur Verhaltensänderung und was kann jeder Einzelne dafür tun?
Letztendlich kann man niemanden zwingen, gesund zu leben und Krankheiten vorzubeugen. Man muss jedoch klar sehen, dass es nicht nur um körperliche Krankheiten geht, sondern auch um geistige Gesundheit und Wohlbefinden. Durch eine gute Lebensweise fühlt man sich besser, hat mehr Kraft und man kann das Leben besser genießen.

Wie eng hängen individuelle Lebensweise und Krankheit zusammen?
Unsere Lebensweise hat einen sehr großen Einfluss auf die Entstehung von Krankheiten. Die meisten Menschen werden in der modernen Welt nicht mehr durch Unfälle oder Infektionen krank, sondern durch Faktoren der Lebensweise. Dies haben alle großen medizinischen Fachgesellschaften und die Weltgesundheitsorganisation wiederholt festgestellt. Man nennt diese Erkrankungen deshalb auch „lebensstilbedingte Erkrankungen“.

Haben Sie eine „Formel“, an der man sich orientieren kann, um ein möglichst gesundes, langes Leben zu führen?
Die Formel ist relativ einfach. Schwerer ist es meistens, diese Formel auf das eigene Leben anzuwenden. Hier können medizinische „Lebensstil-Coachs“ oder neudeutsch „Lifestyle-Coachs“ helfen, welche wir ausbilden. Das ist quasi eine Kombination aus Fitness-Trainer, Ernährungsberater und psychologischem Coach.

Mehr Infos:
Präventive Medizin und Lebensstilmedizin
Dr. Michael Sagner
Lebensstilmedizin Sprechstunde am Uniklinikum
Terminvergabe unter
Tel.: (040) 7410 - 28 540
E-Mail: lifesteps@uke.de

Foto: Privat

 

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