Selbstständig mit der ästhetischen Praxis

Darauf sollten Jungmediziner achten

Die Hürden zur Eröffnung einer eigenen Praxis sind hoch: Nach einem Studium folgen üblicherweise viele Jahre Weiterbildung in einem Krankenhaus, bevor die erfolgreiche Facharztprüfung weitere Möglichkeiten eröffnet, die Karriere fortzusetzen. Für die Beschäftigung im Krankenhaus sprechen viele unbesetzte Stellen, die für ausgezeichnete Jobaussichten sorgen. Wer allerdings von einem höheren Einkommen profitieren möchte und Überstunden genauso wie Nachtdienste mit seinem Privatleben nur schwerlich vereinbaren kann, sollte möglicherweise den Schritt in diese Beständigkeit wagen. Bei der Gründung einer ästhetischen Praxis sollte allerdings beachtet werden, dass neben dem Fachwissen auch unternehmerisches Know-how benötigt wird.

Anerkennung als Vertragsarzt Voraussetzung

Die Frage, wann es für ein Jungmediziner konkret sinnvoll ist, eine Praxis zu gründen, muss individuell beantwortet werden. Sofern die fachlichen Voraussetzungen erfüllt wurden, muss eine Zulassung als Vertragsarzt erfolgen - ansonsten dürfen nur Selbstzahler oder Privatpatienten behandelt werden. Insgesamt handelt es sich dabei allerdings eher um eine formale Hürde; Voraussetzung ist in erster Linie eine Eintragung in das Arztregister.

Praxis Neugründung oder Übernahme?

Hinsichtlich der der Frage, ob eine bestehende ästhetische Praxis übernommen werden oder eine Praxisneugründung erfolgen sollte, hängt vor allem auch von der individuellen Risikobereitschaft ab. Bei einer bestehenden Praxis besteht der größte Vorteil im vorhandenen Patientenstamm. Untersuchungen haben zwar gezeigt, dass etwa 10 % der Patienten bei einer Praxisübernahme wechseln, dabei handelt es sich allerdings nur um eine aus wirtschaftlicher Sicht zu vernachlässigende Minderheit. Außerdem kann das vorhandene Equipment ebenso übernommen werden, wie sich der junge Mediziner auf ein eingespieltes Team verlassen kann. Dafür müssen üblicherweise hohe Ablösesummen gezahlt werden, die in etwa der Hälfte des Jahresumsatzes entsprechen. Je nachdem, wie erfolgreich die Geschäfte in der Vergangenheit liefen, können sich auf diese Weise durchaus einige 100.000 Euro summieren. Die Eröffnung einer eigenen ästhetischen Praxis ist nur auf dem ersten Blick günstiger: Neben den Investitionen in die Gerätschaften müssen auch Angestellte bezahlt werden, ohne dass in der Anfangszeit stabile Einnahmen verbucht werden können. Konkret muss also davon ausgegangen werden, dass die Praxis in den ersten Jahren nicht wirtschaftlich betrieben werden kann.

Heilberufe-Portal der Deutschen Bank: Wirtschaftlichkeit der eigenen Praxis auf dem Prüfstand

Um zu beurteilen, ob die Eröffnung einer Praxis - unabhängig von der Frage, ob es sich um eine Übernahme oder Neugründung handelt - lohnt, muss zunächst eine Standortanalyse durchgeführt werden. Hiermit sind die jungen Ärzte häufig überfordert, obwohl dieser Schritt keinesfalls ausgelassen werden darf.
Das Heilberufe-Portal der Deutschen Bank widmet sich der Selbstständigkeit als Arzt in wirtschaftlichen Fragen. Je nach Fachrichtung ist es beispielsweise auch möglich, Förderungen in Anspruch zu nehmen, mit denen insbesondere in strukturschwachen Regionen der Ärztemangel beseitigt werden soll. Diese Forderungen können sowohl aus zinsgünstigen Krediten wie auch direkten Zahlungen bestehen. Ein Berater der Deutschen Bank analysiert beispielsweise die Wirtschaftlichkeit von Investitionen in neue medizinische Geräte oder überprüft die eigene Praxis im sogenannten PraxisCheck. Letzterer klärt, wie die wirtschaftlichen Kenndaten der Praxis zu beurteilen sind.


Fazit: Auch Mediziner tragen ein unternehmerisches Risiko

Grundsätzlich zeigt sich also: Obwohl Ärzte zweifelsfrei zu den Gutverdienern gehören, ist auch die Gründung einer Arztpraxis mit wirtschaftlichen Risiken verknüpft. Wer sich für diese Beständigkeit entscheidet, haftet auch mit seinem Privatvermögen für einen möglichen Misserfolg - weshalb dieser Schritt sorgsam abgewogen werden sollte. Zumal die Notwendigkeit kaum besteht: Die Nachfrage an Chirurgen in Kliniken ist groß, entsprechend problemlos lässt sich hier eine Anstellung finden. Ein Fachmann kann dem jungen Mediziner in dieser wichtigen Frage zur Seite stehen - und das Risiko der Pleite minimieren.

 

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