Tattoo-Entfernung

Laserspezialist Holger May erklärt den Ablauf einer Behandlung

Was machen, wenn das ungeliebte Tattoo immer störender wird und nur noch weg soll?! Auf zur Tattoo-Entfernung! Doch was sollte man beachten und wo lasse ich mein Tattoo entfernen? Wir fragen Laserspezialist Holger May über Ablauf und Risiken einer Tattoo-Entfernung.

Herr May, Sie gelten als Experte für Tattoo-Entfernungen mit dem Laser und haben 20 Jahre Erfahrung im Entfernen von Tätowierungen.
Was ist die gängigste Methode, um ein Tattoo zu entfernen?
Holger May: Mittlerweile ist die Laserbehandlung die gängigsten Methode um Tätowierungen hautschonend  zu entfernen. Der Laser durchdringt mit seinem Licht die obere Hautschicht, also die Epidermis. Das Prinzip der Laserbestrahlung ist die Lichtabsorption, d.h. das Licht des Lasers trifft genau den Bereich, wo das Farbpigment sich befindet und gewähreistet so eine sehr schonende Behandlung. Um eine Tätowierung vollständig zu entfernen benötigen wir mehrere Sitzungen, die dann im Abstand von jeweils ca. 4 Wochen durchgeführt werden.

Alternativmethoden zur Tätowierungsentfernung ist die chirurgische Entfernung.  Das geht bei Tätowierungen mit eher länglichen Formen, wie z.B. einer Schwertform. Vorteil der chirurgischen gegenüber der Laserbehandlung ist der Zeitfaktor. Bei einer kleinen Tätowierung reicht meist eine einzige Operation aus, um die gesamte Tätowierung zu entfernen.

Welche Methode die optimale für den Kunden ist, klären wir bereits im Informationsgespräch. Die chirurgische Methode ist aber fast immer die zweitbeste Möglichkeit.

Wie funktioniert die Laserbehandlung?
Holger May:
Wir verwenden zur Tätowierungsentfernung einen gütegeschalteten Rubinlaser mit einem extrem kurzen Puls von 15 Nanosekunden. Dieser Laser gibt rotes Licht ab und arbeitet mit nur einer Wellenlänge, damit ist erst einmal sichergestellt, dass wir definitiv kein Hautkrebsrisiko haben. Die Tätowierung wird punktweise oder besser schussweise beleuchtet, dass heißt das Licht durchdringt den oberen Teil der Hautschicht, wird dann im eingebrachten Pigment absorbiert und führt dann im Gewebe zu einem kleinen Sprengeffekt. Das heißt wir lockern quasi das Gewebe etwas auf, was zur Folge hat, dass das mit dem Laserstrahl traktierte Pigment letztendlich befreit wird. Wir haben also eine gewisse Teilschicht erreicht, in der das befreite Farbpigment zugänglich für die Lymphflüssigkeit ist und vollständig ausgeschieden werden kann. Im Anschluss  sehen wir einen deutlichen Aufhelleffekt. Deshalb gibt man der Haut eine Regenerationszeit zwischen den Behandlungen von  ca. 4 Wochen.

Nach ca. 4 Wochen folgt die nächste Behandlung mit dem gleichen Prinzip. Da wir ja nun im oberen Bereich keine Farbpigmente mehr haben, dringt das Laserlicht nun  tiefer in die Haut ein und der Sprengeffekt der auf der Haut erzeugt wird, ist nun auf eine tiefere Ebene.  Wir sprengen dann auf dieser tieferen Ebene Farbpigmente frei, die werden dann erneut  mit der Lymphflüssigkeit ausgeschieden und es ergibt sich ein weiterer  Aufhelleffekt nach der zweiten Behandlung. Dieses Behandlungsprinzip wiederholt sich, bis alle Farbpigmente vollständig entfernt sind.

Ist eine vollständige Tattoo-Entfernung überhaupt möglich?
Holger May:
Ja, grundsätzlich ist heute eine vollständige Entfernung der Tätowierung  möglich. Ausschlaggebend dafür ist jedoch, welche Tätowierfarben verwendet worden sind.  Mit der Rubinlaserbehandlung können wir dunkle Farben, wie schwarz, braun, blau oder grün vollständig entfernen, weil wir hier eine optimale Absorption haben. Das bedeutet also wir können nach und nach wie gerade beschrieben, von oben her Teilschichten befreien und das befreite Pigment wird dann nach und nach über die Lymphe ausgespült. Bei Farbtönen, wie rot und orange hat die Rubinlaserbehandlung Schwierigkeiten, weil hier die Absorption des roten Lichts des Rubinlasers in der roten und orangen Farbe sehr gering ist. Wir erreichen keinen guten Sprengeffekt  in der Haut, dass bedeutet, wir können das Farbpigment nicht richtig aufsprengen bzw. befreien. Eine vollständige Entfernung der Tätowierung ist so leider nicht möglich.

Auch die Hautfarbe ist ein wesentlicher Aspekt bei der erfolgreichen Tätowierungsentfernung. Die beste Ausgangslage zur Entfernung einer Tätowierung ist die natürliche  Hautfarbe. Vor Behandlungsbeginn empfehlen wir daher immer, dass die Haut nicht gebräunt sein sollte. Generell kann man sagen, dass Hauttypen von 1 bis 3 gut geeignet sind. Das sind europäische Hauttypen von sehr hell bis mittelhell, die zwar schon Pigment vorweisen, aber noch nicht so viel, dass es bei der Tätowierungsentfernung  hinderlich wäre. Problematisch wird es erst ab Hauttyp 4. Da hat die Haut sehr viel Pigment. Hier können wir höchstens kleine Tätowierungen behandeln und  müssen schauen, dass wir zunächst etwas von dem Hautfarbpigment reduzieren, um an das Farbpigment der Tätowierung zu gelangen. Dieses Behandlung ist  möglich, aber nicht so einfach.

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?
Holger May: Also, die erste Nebenwirkung die der Kunde direkt bei der Behandlung erfährt ist der Schmerz. Der ist schon recht präsent. Bei größeren Tätowierungen oder je nach dem auf welchen Körperteil die Tätowierung sich befindet, arbeiten wir mit einer oberflächigen Betäubungscreme. Die vermindert den Schmerz deutlich und die Behandlung lässt sich gut aushalten.

Andere typische Nebenwirkungen die man bereits während der Behandlung sieht sind die Hautrötung und ein leichtes Anschwellen der Haut. Eine Krustenbildung hängt etwas vom Hauttyp und von der Hautfärbung ab. Also, je dunkler eine Hautfarbe ist, umso so eher kommt es zur Krustenbildung nach einer Behandlung. Eine Blasenbildung ist nicht die Regel,  kommt jedoch häufig bei größeren und kompakten Flächen vor. Dann ist es für die Haut schon eine Belastung und sie reagiert dann teilweise über. Eine Blasenbildung ist grundsätzlich auch kein großes Problem  für die Haut und heilt im allgemeinen sehr gut ab.
Eine weitere Nebenwirkung ist die Unter- oder Überpigmentierung der Haut. Eine Unterpigmentierung geschieht  durch das vormalige Aufhellen der Haut durch die Rubinlaserbehandlung. Diese Aufhellung  gleicht die Haut aber von alleine wieder aus, weil die Melanozyten nicht angegriffen werden, sie überleben jede Behandlung und produzieren auch weiterhin neues  Pigment. Der Kunde muss daher nach der letzten Behandlung auch bewusst UV-Licht an die Haut kommen lassen, damit die Haut wieder neues Pigment produziert, um so wieder möglichst schnell einen Farbangleich zu erzielen.
Eine Überpigmentierung wäre eine braune Hautverfärbung  an der behandelnden Stelle. Das  können die Kunden leicht vermeiden, wenn sie Wasser und Sonnenlicht an den behandelnden Bereich vermeiden.
Bei einer Krustenbildung nach der Behandlung, sollte der Kunden in jedem Fall eine Manipulation vermeiden, das heißt er sollte nicht an der Kruste kratzen oder knibbeln, da dies ein Narbenrisiko birgt. Alle möglichen Nebenwirkungen bespreche ich mit dem Kunden in einem ausführlichen Informationsgespräch.

Wie viele Behandlungen braucht man, um ein Tattoo zu entfernen?
Holger May:
Das hängt davon ab, wie viel Farbpigment in der Haut liegt. Also wie dunkel eine Tätowierung ist. Schattierte Flächen mit wenig Farbpigmenten können wir daher bereits in 3-4 Behandlungen gut entfernen. Bei richtig dunklen Flächen und Outlines (schwarze Linien ) benötigen wir im allgemeinen schon ca. 10 Behandlungen, um vollständig durch die tätowierte Schicht hindurch zukommen. Bei Tätowierungen die häufig gestochen worden sind oder bei sogenannten Cover-ups, sind sehr viele Farbpigmente in der Haut gestochen worden. Hier benötigen wir zur vollständigen Entfernung der Tätowierung ca. 12 bis 13 Behandlungen.

Die Kosten sind für jede Behandlung individuell und sind anhängig von der Größe der tätowierten Fläche. Wer mag, kann uns vorab eine E-Mail mit Foto der Tätowierung und den Außenmassen mailen. sodass wir eine ungefähre Kostenkalkulation dem Interessenten mitteilen können.


Mehr Infos unter:

Laser Forum Essen
Theaterplatz 1
45127 Essen
Tel.: 0201 18 92 998
http://www.lf-essen.de

 

Foto: Privat